Zu Kritik und Desinformation
- einige Antworten auf zwielichtige Internetmeldungen

Kritik an wikipedia

In letzter Zeit h
äufen sich etwas die Anfragen an meine Adresse: Es geht um die Internet-Enzyklopädie wikipedia. Es verwundert mich übrigens, daß ich hierzu als Ansprechpartner gesucht werde, denn ich bin diesbezüglich ganz und gar kein Experte.
Ob ich nicht etwas w
üßte, ob ich nicht helfen könnte, wird angefragt. Hier fühlt sich ein Verlag ins falsche Licht gerückt, dort geht es um eine Zeitschrift, dann um einzelne Personen, die dort in eine negative politische Ecke gedrückt werden, weil sie als "politisch unkorrekt" bekannt sind. "Kann man gegen solche Verleumdungen denn nichts unternehmen?", wird immer wieder gefragt.
Wikipedia ist, das sei kurz erl
äutert, eine Online-Enzyklopädie, an der jeder Mensch sofort - mit oder ohne Nickname - mitschreiben kann. Einträge können sofort geändert, aber auch umgehend von anderen Nutzern wieder verändert werden. Eine gewissen Kontrollfunktion liegt allein bei den "Administratoren", also bewährten, langjährigen Wikipedia-Nutzern.
Auch ich bin diesbez
üglich betroffen. Ein Kollege machte mich unlängst auf meinen Eintrag in wikipedia aufmerksam, meinte verärgert, daß dieser mich zu negativ darstellte. Ich betrachtete mir die Sache genauer, und wahrlich scheinen sich ein, zwei Nutzer ihr Mütchen an meiner Person kühlen zu wollen. Vor allem auf der Diskussions-Seite wird dann so richtig "die Sau rausgelassen", Beschimpfungen und Verschwörungstheorie inklusive. Das ein oder andere persönliche Motiv dürfte dabei zugrunde liegen. Also, es entwickelten sich ein kleiner, aber interessanter "edit war", an dem sich auch mir wohlgesonnene Nutzer beteiligten, und mehrere persönliche Diskussionen mit Bekannten, die sich u.a. als wikipedia-User betätigen. Dabei wurden die aktuelle Situation und die strukturellen Schwachstellen dieser Enzyklopädie erläutert und mir verdeutlicht.
Ergebnisse der Betrachtungen und Gespr
äche:
1. Gegenw
ärtige politische Situation: Es tummelt sich mittlerweile offensichtlich eine ganze Anzahl links- bzw. "antifaschistisch" orientierter Autoren unter den wikipedia-Usern. Wikipedia wurde demnach von diesen als neues Operationsgebiet, eine Art Spielwiese, entdeckt. Das heißt, zahlreiche konservativ und rechtsgerichtete Verlage, Publikationen oder Autoren werden negativ darzustellen versucht. Auch solche, die bestimmten Personen politisch scheinbar zu unbequem sind. Das geschieht über inhaltliche Verkürzungen und Formulierungen, wie sie typisch für "antifaschistische" Verlautbarungen sind. Aus einem Verlagsprogramm wird beispielsweise nur zitiert, was das negative Licht bestätigt, andere Verlagspublikationen werden verschwiegen. Linksgerichteten Kritikern wird breiter Raum eingeräumt, ohne allerdings deren politischen Standpunkt kenntlich zu machen. usw.
Versuchen Andersdenkende die Beiträge zu korrigieren, werden ihre Änderungen umgehend wieder gelöscht. Bisweilen hagelt es dann auch noch aggressive Beleidigungen und latente Drohungen ("Pass auf...", "Vorsicht...") gegen die "Störenfriede" mit der anderen, nicht-linken Meinung. So soll natürlich eingeschüchtert werden.
2. Politische Absichten von User-Cliquen: Wikipedia wurde also offenbar auch als Operationsgebiet gew
ählt, weil sich hierüber suggestiv politische Einordnungen transportieren lassen, ohne das deren linksgerichteter politischer Hintergrund sofort deutlich wird. Es steht also nun über dem "linksradikal" beeinflußten Eintrag nicht mehr das leicht erkennbare Logo einer "Antifa"-Publikation, sondern nur noch neutralisiert "Enzyklopädie". Zudem agiert man anonym, also mit nickname, ist demnach nicht haftbar zu machen für Behauptungen, die man in einem Printmedium oft nicht ungestraft tätigen dürfte. Der unwissende Leser nimmt dabei zuerst nur den Begriff "Enzyklopädie" wahr und wähnt sich in einer Sphäre politischer Neutralität. Zugleich kann man auf diese Weise von hier aus Ängste, Vorbehalte bei der Leserschaft schüren, hofft also den so beschriebenen Institutionen oder Personen sozialen und wirtschaftlichen Schaden zufügen zu können.
3. Abschirmung vor Kritik: Im Gegenzug wird derzeit
über linksgerichtete Organisationen, Einrichtungen oder Personen häufig die schützende Hand gehoben. Kritische Einwände werden hier stark minimalisiert, politische Einordnungen rasch gelöscht. Hier funktioniert die Wächterfunktion noch bestens. Links bleibt bislang noch alles "sauber".
4. Fragile Struktur: Das f
ührt zum generellen Problem von wikipedia: Die Struktur ist äußerst lose. Jeder x-beliebige Internetsurfer kann binnen einer Minute Einträge ändern, wie es ihm in den persönlichen Kram paßt. Ob diese Änderungen oder Diskussionsbeiträge qualitativen Kriterien stand halten, wird kaum überprüft.
5. "Sozialdarwinistisches" Prinzip: Das ist aber gerade in politischen und philosophischen Streitthemen fatal. Und zwar weit über die Problematik des "Linksradikalismus" hinausgehend. Das kann zum Beispiel beim Streit Pro und Contra Amerika, Abtreibung, chinesische Tibet-Politik usw. zum Tragen kommen.
Wikipedia beruht auf der Annahme, da
ß alle Nutzer friedlich und im offenen Diskurs ihr Wissen beitragen, und daß dadurch gehaltvolle und abgewogene Einträge entstehen, die das Wissen der Menschheit sammeln. Dieses Prinzip mag zum Beispiel bei botanischen oder geographischen Themen funktionieren. Sobald die Einträge aber in einen gesellschaftlich umkämpften Bereich hineinreichen, fangen andere Mechanismen zu greifen an. Es erscheint der Eintrag, dessen Thesen bestimmte wikipedia-User am aggressivsten durchzusetzen versuchen. Es "gewinnt" also nicht das bessere Argument, sondern derjenige, der mehr Zeit hat, an der mouse zu sitzen, und das größere Interesse hat, bestimmte Positionen durchzupauken. Am besten im Verbund mit zwei, drei Freunden, die sich ebenfalls als Autoren betätigen. Politische Kraft- und Machtverhältnisse übertragen sich zusätzlich auf Lexikoneinträge.
Wikipedia beruht demnach also auf einem "sozialdarwinistischen" Prinzip - der Hartn
äckigere, "Stärkere" setzt sich durch: Viele Beiträge, vor allem im politischen Bereich, spiegeln weniger objektive Erkenntnis oder Einsicht wider, sondern sie beruhen mehr auf purem Durchsetzungswillen, auf der Besessenheit, den eigenen Standpunkt zu verbreiten. Wer also mehr Mitstreiter hat, mehr Freizeit und mehr Aggressionspotential drückt die Formulierungen durch, die er haben möchte. Dabei bleibt Objektivität oft auf der Strecke. Wird der "edit-war" zu stark, können Administratoren zwar etwas schlichtend eingreifen. Doch, was ist, wenn politische Freunde, die bereits lange Zeit bei wikipedia als Nutzer tätig waren, längst selber zu Administratoren mit weitergehenden Steuerungsbefugnissen "aufgestiegen" sind?
6. Fazit: Wikipedia ist nur bedingt als seri
öse Informationsquelle anzusehen. Sie hat, auch wenn das die vielen seriösen und gutmeinenden Mitarbeiter nicht gerne hören, deren Engagement hier in keiner Weise herabgewürdigt werden soll, nichts mit einer klassischen Enzyklopädie gemein, die üblicherweise von namentlich verantwortlichen Wissenschaftlern zusammengetragen wird. Zur Recherche bestimmter Fakten und Daten mag die website durchaus sehr hilfreich sein, inhaltlich ist sie aber zu abhängig von Manipulationen, kaum kontrolliert und deshalb sehr mit Vorsicht zu genießen.
Der obige Text gibt den Stand von 2006 wieder. Da "wikipedia" ein offenes Medium ist, an dem jeder Qualifizierte oder Unqualifizierte mitwirken kann, können aber auch laufend Veränderungen stattfinden. Es liegt nicht in meinem Interesse, mich damit zu beschäftigen, meine Grundeinschätzung bleibt aber bestehen: "Wikipedia" eignet sich vor allem sehr gut für diejenigen, die potentiell jeden Tag eine andere Wahrheit lesen möchten. Vorzugsweise die selbst verfasste.